SONGS AND CHANSONS OF KURT WEILL

lonely house

Am 27. Februar 1933 brennt in Berlin der Reichstag. Knapp einen Monat später verlässt Kurt Weill, der eben noch gefeierte Komponist der "Dreigroschenoper" und nun bereits zur Galionsfigur der "entarteten Kunst" gewordene Musiker, seine Heimat Deutschland – tief gekränkt von den öffentlichen Schmähungen, die man ihm noch bis ins Ausland nachruft. Wie groß die Verletzung gewesen sein muss, lässt sich nur erahnen. Sie hat zu dem Entschluss geführt, sich ganz von Deutschland abzuwenden und selbst die vertraute Muttersprache nicht mehr im Munde zu führen.
Doch Kurt Weill bleibt nicht sprachlos. Mit der ganzen Kraft und Neugier eines leidenschaftlichen Künstlers sucht er neue Wege, neue musikalische Sprachen und Klänge. In Deutschland werden Kurt Weills neue Wege ab 1933 (erst in Frankreich, dann ab 1935 in Amerika) auch nach dem Krieg in der breiten Kunst-Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Jutta Czurda und ihr Team spüren in "Lonely house" diesen hierzulande wenig bekannten Wegen Kurt Weills nach und begegnen den Empfindungen von Trennung, Heimatlosigkeit, Trauer, Sehnsucht, kleiner und großer Liebe mit der unbändigen Lust zur Musik.
Diese Lust gilt auch der Hingabe an neue musikalische Einflüsse. Kurt Weill hat sich das genommen, was er brauchte: die Tradition des französischen Chansons, den Jazz, den Blues, die amerikanische Oper und das Broadway-Musical. Czurda/Beirach/Hübner/Hübner greifen zu den selben vielfältigen Farben – und machen sich lustvoll ein Bild von der Welt, wie sie für Kurt Weill (und – mit Verehrung – auch für Lotte Lenya) gewesen sein könnte, von ihrem Schmerz, ihrer Freude, ihrem Leben. Kein Abbild, sondern eine musikalische Nach-Empfindung. Eine Annäherung in großem Ernst, großer Lust und großer Liebe. (Thomas Reher)



February 26th 1933; the Burning of the Reichstag. Barely a month later, Kurt Weill, the only just recently celebrated composer of the "Threepenny Opera”, already the figure-head musician of the Entartete Kunst, (art banned as "Degenerate Art”), deeply wounded by the open slander that was to follow him even abroad, left his home-land, Germany, forever. One can only imagine how great the hurt must have been that it led him to turn his back entirely upon Germany, to the extent that he was never again to speak his mother-tongue.
Indeed, Kurt Weill did not remain speechless. With the full power and curiosity of a passionate artist, Weill sought new idioms, new musical languages and sounds. In Germany, from 1933 on, Kurt Weill’s new musical styles (first in France, then, from 1935 on, in America), were, then and after the war, barely noticed by the broader artistic community. In "Lonely House" Jutta Czurda and her team retrace these, in Germany still little known, new avenues of Weill’s, and, with tremendous delight in his music, encounter there the emotions of separation, home-sickness, sadness, nostalgia, and of loves great and small. This delight applies also to their devotion to new musical influences. Kurt Weill borrowed what he needed: from the tradition of French Chanson, from Jazz, from the Blues, American Opera and the Broadway Musical. Czurda/Beirach/Huebner/Huebner hold to the same wide variety of colours and joyfully create a picture of how Kurt Weill’s world (and, with respect, Lotte Lenya’s) might have been; their sorrows, their joys, their love. Not a literal picture, rather a musical perception, approached with great earnestness, with great pleasure and with great love. (Thomas Reher)