MICHAEL SCHEUNEMANN QUINTETT
Obschon der CD-Titel "Light Blue" die Assoziation an die Farbe gefrorenen Eises wecken mag - dies ist keine "unterkühlte" Musik. Im Gegenteil, beim Hören taucht die Erinnerung an die berühmte Miles Davis-Platte "Kind of Blue" auf - doch liegt hier keine bewußte, vom Bandleader und Komponisten Michael Scheunemann herbeigeführte Ähnlichkeit vor. Die Erinnerung taucht deswegen auf, weil "Light Blue" ebenfalls - wenn auch auf andere Art - eine durchgehend warme Stimmung vermittelt. Dies ist Jazzmusik, bei der man gerne hin- und zuhört, weil sie sich eher "offenbart" als zu sehr zu "fordern", weil sie mit starken Melodielinien Energie transportiert - und weil sie dem Hörer die Chance gibt, ihren Strömungen zu folgen.
Die Gruppe "Scheunemann 5" - wie der Name bereits verrät - definiert sich in erster Linie über Komponist, Bandleader und Saxplayer Michael Scheunemann. In zweiter Linie - jedoch nicht im Hintergrund - stehen der Trompeter Michael Anderson und die Rhythmusgruppe, zusammengesetzt aus Sebastian Wittstock am Klavier, Klaus Axenkopf am Bass und Wolfgang Roggenkamp am Schlagzeug. Es handelt sich hierbei um Kollegen, die sich bereits in verschiedenen Projekten, in Berlin und darüber hinaus, ihre Lorbeeren verdient haben.
Der Bandname indiziert, das hier in erster Linie Eigenkompositionen des Namensgebers gespielt werden. Fremdkompositionen kommen nur unter der Bedingung ins Repertoire, daß für Scheunemann ein Bezug zu seiner Person oder zur Band herstellbar ist. Auf diese Weise gelangte z.B. "Angela" des Trompeters T. Harrel auf die aktuelle CD - es "gefiel" einfach sehr.
Durch den zweiten Bläser gelingt es mühelos, weit über den Sound der üblichen Trio- oder Quartettbesetzung hinauszugehen: im Quintett wird vieles sogar durchsichtiger die Aufteilung zwischen Rhythmusgruppe und Reeds-/Brassspielern funktioniert phantastisch; trotzdem ist genug Platz für Soli und musikalische Ausflüge.
Carina Prange









