TALLARI
"15 years of finnish folk"



TALLARI
15 years of finnish folk
NICHT MEHR LIEFERBAR!

VÖ: 18. Februar 2002
Published by Edition Laika, Germany
Made 2002 in Germany/SONOPRESS, Gütersloh
© und p 2002 by Laika-Records, Bremen
By courtesy of
Kansanmusiiki-Instituutti, Finnland





15 Jahre Tallari

Dass eine Folkgruppe seit 15 Jahren monatlich aus staatlichen Mitteln ein festes Gehalt auf das Konto überwiesen bekommt, gibt es wohl selten. Das finnische Folk-Ensembles Tallari (in Anlehnung an den Geiger Elias Tallari, 1853-1911) ist eine solche Rarität. Neben unzähligen Bühnen ist ihr Arbeitsplatz das Volksmusik-Institut (Kansanmusiiki-Instituutti) in Kaustinen, direkt unterhalb der Skisprungschanze. „ Wir fühlen uns hier frei wie die Vögel" sagt der Bassist und Akkordeonspieler Antti Hosioja, „niemand sitzt uns im Nacken und bestimmt, was wir inhaltlich machen sollen". Wenn sie nicht auf Tournee sind oder in der nahgelegenen Hafenstadt Kokkola am Ostbottnischen Musik-Konservatorium traditionelle Musik unterrichten, treffen sich die vier MusikerInnen täglich in ihren Büro- und Probenräumen im neuen „Folk-Arts-Center".
Kaustinen, das schon in seinem Wappen die Geige als Symbol hat, ist das eigentliche finnische Phänomen, aus dem die Gruppe Tallari hervorgegangen ist.
Der Ort liegt etwa 500km nördlich von Helsinki unweit des Bottnischen Meerbusens.
1968 fand dort das erste internationale Folkmusikfestival statt. 5000 Menschen waren zu diesem größeren Dorffest erwartet worden, es kamen gleich 15.000. Die bis heute andauernde Erfolgsstory vom kulturellen „Oberzentrum" nahm seinen Anfang. Der zweite Strang, der zur Geburt von Tallari führte: um 1950 beendete Finnland die Reparationszahlungen an die Sowjetunion. Anschließend beschloß der Reichstag, die nun zur Verfügung stehenden Gelder für kulturelle Zwecke (!) zu verwenden. Die meisten finnischen Städte leisten sich seitdem eigene „City-
Orchester", sprich Symphonieorchester. 20 an der Zahl gibt es im bevölkerungsarmen Land am Nordostrand Europas. Das Geld kommt vom Bildungsministerium. „Warum sollte Kaustinen als (volks-) musikalische Metropole nicht ein eigenes festangestelltes (Volksmusik-) Ensemble unterhalten dürfen?", fragten sich die vom Erfolg beflügelten Festivalmacher in Kaustinen schon in den 70er Jahren. Ein ganzes Orchester wurde es dann doch nicht, obwohl sich immerhin 14 Bewerber auf die landesweite Ausschreibung gemeldet hatten, als es dann 1986 tatsächlich ernst wurde. Die Vier aus Vierzehn waren: Ritva Talvitie, Antti Hosioja, Timo Valo und Risto Hotakainen. Die finnische Volksmusikszene ist zwar eine der lebendigsten weltweit, aber doch nicht so groß, als dass man sich nicht schon von diversen Festivalsessions her kannte. Nur einer allerdings, nämlich der Harmoniumspieler Timo Valo, ist in Kaustinen aufgewachsen. Die Familie Valo gehört zu den bekanntesten Musikerfamilien in der Region. Nicht sehr weit von Kaustinen entfernt in Halsua ist der Multiinstrumentalist Risto Hotakainen (Geige, Mandoline, Jouhikou, Kantele, Gesang) zu Hause. Bis er Profimusiker wurde war er Bauer, wie sein Vater der Geiger Otto Hotakainen, der als erster Musiker zusammen mit dem legendären Konsta Jyhlhä 1971 die Auszeichnung „Meisterspielmann" erhielt. Ritva Talvitie (Geige, diatonisches Akkordeon, Gesang) und Antti Hosioja (diatonisches Akkordeon, Gitarre, Kontrabaß) kommen von der finnischen Westküste einige hundert Kilometer südlich von Kaustinen. Während Ritva vor Tallari schon eine Karriere als klassische Geigerin im Orchester der finnischen Nationaloper absolvierte, wuchs Antti in einem lebendigen dörflichen Volksmusikmilieu auf.

Mehr als 350 Titel hat Tallari mittlerweile für den finnischen Rundfunk eingespielt! Schon die Vielzahl der Instrumente, die das Quartett teilweise in Doppelbesetzung beherrscht, spricht für Flexibilität. Diese Eigenschaft hat es der Gruppe möglich gemacht, sich in allen Bereichen der finnischen Volksmusik, in der schwedisch geprägten westfinnischen Tradition und der archaischen Tradition Kareliens im Osten Finnlands an der russischen Grenze mit uralten Kalevala-Liedern zum Klang der Kantele oder des primitiven Streichinstrumentes Jouhikou zu Hause zu fühlen.
Frischen Wind brachten die zahlreichen renommierten GastsolistInnen, mit denen Tallari immer wieder zusammengearbeitet hat. Dazu gehören Arto Järvelä („The buisiest man in finnish folk"), Maria Kalaniemi, Pia Rask, Wimme Saari und vor allem Tellu Turkka und Liisa Matveinen. So kam es 1990 zu einem ersten Höhepunkt in der Gruppengeschichte. Zum Jahr der finnisch-ugrischen Bevölkerungen legte die Sängerin und Kantelespielerin Liisa Matveinen Fundstücke aus dem Osten Finnlands und von den finnisch-ugrischen Minderheiten in Russland vor. Die musikalische Umsetzung wurde auf der CD „Lunastettava Neito" festgehalten. Zu hören waren auf dieser CD zum ersten Mal auch eine Melodie aus dem sprachverwandten ungarischen Kulturkreis, die Liisa von der Sängerin Marta Sebestyen kennengelernt hatte, sowie ein Joik des experimentierfreudigen samischen Musikers Wimme Saari im Umfeld finnischer Volksmusik. Eine bahnbrechende Verbindung mit der indianisch anmutenden Musik der skandinavischen Urbevölkerung, die sich aber leicht aus der Tatsache erklären lässt, dass Wimme viele Jahre als Dozent im Volksmusikstudiengang an der Sibelius-Akademie in Helsinki gearbeitet hat und dort u.a. Liisa Matveinen in der Kunst des Joikens unterrichtete. 1992 komponierte Timo Valo eine Folk-Oper. Gegenstand war die Geschichte der Familie Kuoaikoski aus Kaustinen, im ganzen Land als die versiertesten Kirchenerbauer bekannt.

Die hier vorgelegte Auswahl an Titeln wurde aus drei Alben (von acht) zusammengestellt:
Die ersten vier Titel stammen von dem Album „Lunastettaava Neito" (1990), die folgenden fünf Tracks sind von dem Album „Kymmenen pennin ryypy" (1991) und die restlichen Titel findet man auf „Virtaa" (1999). Die Auswahl fiel uns nicht leicht, aber wir glauben einen repräsentativen musikalischen Querschnitt durch das bisherige Schaffen von Tallari angelegt zu haben und hoffen, Sie haben ihre Freude daran.


updated March 2004




















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