JOHANNES ENDERS

ZeitGeistMaschine - Das Saxofon-Quartett

Johannes Enders gehört zu den einflussreichsten und innovativsten Saxofonisten Deutschlands. Der dunkle, holzige, weiche Sound des 47-jährigen Weilheimers ist unverkennbar. Und die Bandbreite seines künstlerischen Schaffens sucht Ihresgleichen. Sie reicht von klassischem Hardbop bis Nu Jazz mit elektronischen Einflüssen. Enders ist ein musikalischer Tausendsassa, der schon auf mehr als 100 CD-Einspielungen zurück blicken kann. Auf seinem neuen Album Zeitgeistmaschine überrascht er mit einer ungewöhnlichen Besetzung: vier Saxofonisten plus Schlagzeuger.

„Ein Saxofon-Quartett habe ich schon immer als Herausforderung empfunden, denn Musik in dieser Besetzung kann auf den Hörenden schnell eintönig wirken“, erklärt Enders die Entstehung seiner Formation. Doch der Professor für Jazz-Saxofon an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater weiß, mit welchen Zutaten er eine spannende musikalische Melange kreieren kann.
Die steht und fällt mit der richtigen Besetzung. Hier hat Enders nichts dem Zufall überlassen. Die Altstimme konnte er mit einer wahren Saxofon-Legende besetzen: dem New Yorker Vincent Herring. Ein musikalisches Kraftpaket, den der Weilheimer wegen seines unverkennbaren Sounds besonders schätzt. Enders selbst griff für die Produktion zum Tenor-Saxofon, während Lutz Häfner zwischen Alt- und Tenorinstrument wechselt, was eine größere Varianz in der Melodiestimme garantiert. Ebenso wichtig war Enders die Wahl der Rhythmusgruppe mit Herwig Gradischnig am Bariton-Saxofon und Sebastian Merk am Schlagzeug. „Sebastian ist jemand, der nie auf Auto-Pilot schaltet, sondern sich dynamisch perfekt anpassen kann – von extrem leise bis kraftvoll“, äußert sich Enders voll des Lobes über den Berliner Schlagzeuger, dessen elektronisch anmutender Sound einen reizvollen Kontrast zu den vier Saxofonen bildet.

Insgesamt gestattet die Zeitgeistmaschine Einblicke in das musikalische Unterbewusstsein von einem der spannendsten Saxofonisten Europas. In den zwölf Kompositionen hat Enders seine Eindrücke und Erlebnisse der vergangenen Jahre verarbeitet. Eindrücke von Reisen etwa, Stimmungen, die von Orten, Städten oder Ländern ausgehen, oder Menschen, denen er begegnet ist. Thunder zum Beispiel, einem Obdachlosen, mit dem Enders in der New Yorker Subway ins Gespräch kam. Thunders positive Lebenseinstellung, sich als U-Bahn-Musiker durchs Leben zu schlagen, beeindruckte den Deutschen und inspirierte ihn zum Stück „Ho Bo“. „Es schien mir, als hätte er mehr Freude am Leben, als die Menschen, die mit angespannten Mienen durch die Wall Street hetzten“ erinnert sich Enders.
Wer sich das Album genauer anhört, dem fallen die vielen musikalischen Stile und Einflüsse auf, die Enders und seine Mitspieler auf dem Album aufgreifen. Sie schicken die Zuhörenden auf eine musikalische Zeitreise, wahren dabei aber stets ihren eigenen Sound. Auf der einen Seite stehen Songs wie „Ex-March“, die - in der Tradition Duke Ellingtons oder Gil Evans‘ – mit Liebe zum Detail arrangiert sind. Zur anderen Seite gehören eher minimalistisch gehaltene Kompositionen wie „Time Ghost“, die Enders Vorliebe für Indie Rock-Stücke erkennen lassen.

So vielfältig wie seine musikalischen Interessen sind auch seine Spielwiesen. Ein Quartett, ein Trio, das Duo Enders-Dome mit dem norwegischen Trompeter Nils Petter Molvær oder sein Elektro-Jazz-Projekt Enders Dome – das sind nur einige Projekte des umtriebigen Weilheimers, der stete Abwechslung braucht. „Wenn ich jahrelang in einer festen Besetzung spielen müsste, würde ich vermutlich schnell ausbrennen. Meine Umtriebigkeit ist für mich wie ein Dschungel, in dem ich ständig neue Sachen entdecke.“