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ENSEMBLE DRAj
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| Eine echte Entdeckung ist das Ensemble DRAj: Gesang, Cello, Akkordeon - sonst nichts. Ein nahezu unbekanntes Trio. Sie haben eine CD herausgebracht, die eine ganz eigenständige Herangehensweise reflektiert: brillante Arrangements, in denen sich selbst bekannte Lieder neu erfahren lassen, kühne Harmonien, ein inspirierter Zusammenklang der drei Instrumente. Eine Produktion, die den Raum für das jiddische Lied öffnet. . Birger Gesthuisen, WDR Jiddische Lieder aus osteuropäischen Ghettos sind per se keine lustige Angelegenheit sollte man meinen. Angesichts der deutschen Greueltaten übersieht man aber leicht, dass es selbst in den Ghettos noch für eine Weile so etwas wie normales (jüdisches) Leben gab. Leben voller kindlichem Spielvergnügen und jugendlicher Lebenslust, an die das Ensemble DRAj mit seinem neuen Programm Aufwachsen im Ghetto in einer Mischung aus fröhlichem Überschwang und stiller Melancholie erinnert. Sven Thielmann WAZ 21. 02 2005 Das Ensemble DRAj Von Birger Gesthuisen In der kaum noch zu überblickenden Flut von CD-Veröffentlichungen klingt meine Behauptung sicherlich kühn, dieses Ensemble verfüge über ein eigenständiges Profil. Schon die Besetzung des Ensemble DRAj ist ungewöhnlich. Die bewusst spärliche Instrumentierung von Akkordeon, Cello und Gesang fordert das kreative Potential geradezu heraus, ebenso wie die Aufnahmen dieser CD: die Musiker verkriechen sich nicht unter einem wabernden Klangteppich, sondern spielten live ein akustisches Album ein ohne Overdubbings. Sorgfältig suchten sie einen gut klingenden Raum für livehaftige Aufnahmen und fanden ihn mit der Gelsenkirchener Bleckkirche. Auf krummen Wegen kam Ludger Schmidt zum Cello. Als ungeliebtes Geschenk der Eltern drohte es zum Relikt traumatischer Jugenderinnerungen zu werden bis der Geiger Didier Lockwood von Magma ihm ein befreites Verhältnis zu einem Streichinstrument demonstrierte. Dann folgten Ausbrüche aus den Konventionen in Form von Rock und Free Jazz sowie eine Begeisterung für die Vermittlung von Freude an Musik, die als Musikpädagogik viel zu akademisch beschrieben ist. In der Band "Collage" traf er den Akkordeonisten, Musikverleger und Musiklehrer Ralf Kaupenjohann, der heute rückblickend feststellt: Die Zusammenarbeit mit Ludger Schmidt ist ein großer Gewinn, weil wir uns fast symbiotisch ergänzen. Unsere Arbeitsweise ist sehr offen und partnerschaftlich, ganz ohne jede Eitelkeiten. Er studierte an der Dortmunder Musikhochschule Akkordeon und erwarb ein breites Spektrum an musikalischer Praxis in der Zusammenarbeit mit dem Klarinettisten Eckard Koltermann, der die beiden mit Manuela Weichenrieder zusammenbrachte. Die Sängerin ist heute die kongeniale Ergänzung zu den beiden Instrumentalisten. Sie wuchs mit Hausmusik in Form von bayrischen Roots auf, um dann angewandte Theaterwissenschaften zu studieren. Aktionskunst und Theater sind immer noch ein Teil ihres Repertoires, wie auch Fado und Bossa-Nova und ein skuriles Trio namens "Tapet". Im Ensemble DRAj realisiere ich den erzählerischen Teil von mir. Diese Lieder sind eine unglaubliche emotionale Herausforderung: Es geht ums Verlassen werden, ums Alt-Werden und ums Einsam-Sein, um Entwurzelung um Themen, die dich wirklich angreifen, wenn du dich mit ihnen auseinandersetzt. Im Rückblick zählt das Ensemble DRAj allerdings vier Protagonisten, denn die Initiatorin des Ensembles Anette Krüger ist heute nicht mehr dabei. 1997 regte sie zur Gründung eines Trios mit jiddischen Liedern an. Die Gesangslehrerin sprach Ralf Kaupenjohann an, später kam Ludger Schmidt hinzu und in dieser Besetzung spielten sie die erste CD Lieder aus den Ghettos ein. Im Frühjahr 2003 zog Anette Krüger in den Norden Deutschlands und somit waren intensive Proben und die Wahrnehmung vieler Auftritte nicht mehr gewährleistet. Der Anlaß für die Ensemblegründung lag zunächst nicht in einer musikalischen Zuwendung, sondern in einer Art historischer Verpflichtung, genauer gesagt: das erschreckende Wiederaufflammen rechter Ideologien in den 90er Jahren. Es waren weniger die unbelehrbar Übriggebliebenen, sondern eine heranwachsende Generation, die ihre geistige Heimat ausgerechnet in der dunkelsten Ecke der deutschen Vergangenheit sucht(e). In den Anfangsjahren wollten die DRAj den Rückwärtsgewandten mahnend diese jüdische Musikkultur um die Ohren hauen, mit musikalischen Mitteln reagieren. Doch was ist eine solche angemessene Interpretation jiddischer Lieder? Dieser mahnende Rückgriff in Zeiten eines aufkommenden Neonazismus erwies sich als ein allzu schematisches Raster, mit dem ein schillerndes Liedgut ausgeleuchtet wurde. In dieser Instrumentalisierung war der Sinn für die den Liedern innewohnende Geschichtlichkeit abhanden gekommen. Nicht in ihrem musikalischen Anspruch, aber in ihrer Haltung war das Ensemble DRAj geprägt von der Zeit des Protestsongs, die als gesungene Gebrauchslyrik vor den Fabriktoren und später vor den Atomkraftwerken erklangen. Als Transportriemen gesamtgesellschaftlicher Veränderung wurde die kleine Gattung Lied hoffnungslos überschätzt. |
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![]() Manuela Weichenrieder Gesang Ralf Kaupenjohann Akkordeon Ludger Schmidt Cello Kinderjorn - Aufwachsen im Ghetto 12 Tracks / 49:29 Min. / Digipak mit Textheft Bestellnummer: 3510207.2 15,- Euro EAN Code: 4011786052073 Produzent: Peter Cronemeyer Trackliste: |
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| Protestsongs waren eine Facette einer aufkommenden Liedkultur, die nicht nur niveauvolle deutschsprachige Textmusik hervorbrachte, sondern auch das jiddische Lied mit Interpreten wie Belina & Behrend, Esther Ofarim, Hai & Topsy, Manfred Lemm, Espe, Zupfgeigenhansel und Aviva Semadar. Die musikalische Begleitung blieb eher sachdienlich, eingebettet in eine Liedermacherkultur. In dieser Zeit gelang dem englischen Erfolgsbarden Donovan mit Dona Dona bzw. Donaj sogar ein Lagerfeuerhit. Kaum jemandem war angesichts des romantisierenden Geklampfes aufgefallen, dass dieses Lied Dos kelbl den Weg zum KZ beschrieb. Die Adaption jiddischer Lieder bewegte sich zwischen den Extremen von Romantisierung und politischer Instrumentalisierung. Zunehmend wurde den drei Musikern bewußt, dass dieses vergangene Genre nicht vornehmlich der politischen Gegenwartsbewältigung dienen (!) sollte. Irgendwann einmal stellten sie fest: Unser Publikum muß nicht belehrt werden. Die Menschen kommen, weil sie wissen. (Ludger Schmidt).Dieses neue Album schlägt somit eine andere, erfrischend alltägliche Seite des jüdischen Lebens auf. Kinderjorn ist ein Konzeptalbum, das facettenreich einen bestimmten Lebensabschnitt beleuchtet: Dort fasziniert eine kindliche Ungestümheit, dann ist ein tragischer Todesfall zubeklagen, hier blickt ein alter Mann erinnernd zurück. Meist bildet bittere Armut das Koordinatensystem dieser Kindheiten. Neben wenigen traditionellen Liedern finden wir in diesem Repertoire vor allem Stücke von Autoren wie Schmerke Katscherginski, Mordechaj Gebirtig und Mark Warschawski, die vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden. Auch eine zweite Form alternativer Musikkultur in Deutschland berührt die Arbeit des Ensembles, aber auch hier in einem kontrastiven Sinn: Zur Zeit des Liedersingens und des Folkrevivals kam im Jazz eine neue Orientierung auf. Jazz meets the World lautete die Losung von Joachim-Ernst Behrendt, die er zwischen 1964 und 1972 zwölf Mal in Vinyl verewigte. In den 70er Jahren kam mit Ethnojazz auch ein Genrebegriff auf und brachte Gruppen wie John McLaughlins Shakti, Oriental Wind und Piirpauke hervor. Die 80er bis 90er Jahre überraschten dann mit gereiften, europäischen Spielformen des Jazz. Die Anknüpfung an regionale Traditionen erweiterte den Amerika-generierten Jazz um zahlreiche Facetten. Deutschland brachte kein Pendant zu dieser Anknüpfung an regionale Traditionen hervor und keine Persönlichkeiten wie Jan Garbarek, Louis Sclavis oder Gianluigi Trovesi. Wieder einmal verweist eine musikalische Leerstelle auf die in der Nazizeit gebrochene Musiktradition Deutschlands. Mir scheint, als habe hier das Klezmer-Revival die mangelnde Ankopplung an genuin deutsche Traditionen kompensiert. Der Rückgriff auf die Tanzmusikkultur der osteuropäischen Juden erlebte in Deutschland seine Blütezeit. Noch vor wenigen Jahren gab es im deutschsprachigen Raum etwa 80 Klezmer-Ensembles, wahrscheinlich mehr als in den gesamten USA oder anderswo. Die Klezmerszene war ein verlockender Ort: Er bot zahlreiche Auftrittsmöglichkeiten unter Wahrung einer enormen stilistischen Bandbreite. Doch das Ensemble DRAj sprang nicht auf den weitgehend sprachlosen Klezmer-Express: es beschritt den Weg einer deutenden Textmusik Ein deutsches Trio von Gojim widmet sich dieser jüdischen Liedkultur, ohne die blaue Blume der Authentizität zu suchen. Was hier authentisch klingen sollte, sind die Künstler. Ganz bewusst lässt das Ensemble die eigenen musikalischen Hintergründe einfließen, was gerade den Reiz dieser DRAj-Musik ausmacht. Ihr Wiederaufleben jiddischer Lieder vollzieht sich in einer Durchmischung von Blues, Neuer Musik, Jazzrock, Moderner Klassik und Jazz. Komponierte Erik Satie für das Ensemble einen kleinen Walzer? Spielte King Krimson jiddische Lieder? Auch Ethnorock deutscher Provinience wird schelmisch zitiert. Ein Atem-raubendes Sammelsurium vereint sich zu einem DRAj-Klang von "Stilblüten".... Mehr denn je nimmt das Ensemble DRAj die jiddische Liedkultur ernst. ( Aus dem Booklet Text) ENSEMBLE DRAj Homepage |
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