DIRK BLEESE TRIO

Wer sein Debüt-Album „in between“ (erschienen 2016) und den nun erscheinenden Nachfolger  „in zwischen“ nennt, wirft zwangsläufig Fragen auf. Hat der Hamburger Komponist und Pianist Dirk Bleese mit seinem Trio etwa ein Album produziert, das auf „Nummer sicher“ geht, indem es sich am hochgelobten Vorgänger orientiert? Weit gefehlt! Diente der Erstling den drei Musikern vor allem dazu, sich näher kennenzulernen und sich auf vergleichsweise einfache Lösungen zu verständigen, zünden Dirk Bleese (Klavier), Oliver Potratz (Kontrabass) und Tilo Weber (Schlagzeug) nun die nächste kreative Stufe. Auf „in zwischen“ liefern sie Improvisationskunst auf höchstem Niveau. Technisch perfekt gespielt und doch locker dargeboten dank enormer Spontanität und einer gelegentlichen, deutlich hörbaren Portion Ironie.
Der Sprachwechsel gibt die Richtung vor. „Back to German“, heißt die Devise auf diesem Konzeptalbum, das folgende Frage in den Mittelpunkt stellt: gibt es so etwas wie „deutschen“ Jazz? Und wenn ja, wie klingt er? „Der Jazz war ja schon immer eine transkulturelle und musikalische Verbindung, der wir uns auf diesem Album mit einem größeren Teil unserer eigenen lokalen Wurzeln annähern“, erläutert Bassist Oliver Potratz und ergänzt. „Wir erleben unruhige Zeiten. Deshalb erschien es uns wichtig, die Frage nach unserer Identität nicht nur den marktschreierischen Tendenziösen zu überlassen, sondern selber kräftig mitzuforschen und mitzuformen.“

„in zwischen“ ist Identitätsfindung in Form eines musikalischen Experiments. Dafür hat sich Bandleader Dirk Bleese zehn deutsche Begriffe herausgesucht, die er mit seinen Spielgefährten in „Jazzsprache“ übersetzt, bzw. vertont hat.„Als um das Jahr 1900 herum der Jazz in New Orleans entstand, schwappten auch viele deutsche Wörter über den Atlantik, vor allem in den Bereichen Kulinarik („Bratwurst“), Psychologie („Schadenfreude“, „Angst“) und Philosophie („Übermensch“, „Wunderkind“)“, erklärt Bleese.  Nachdem er sich jeweils einen Begriff auf ein Blatt Papier geschrieben und dieses auf sein Klavier gelegt hatte, begann er damit, Assoziationsketten zu bauen - immer mit dem Ziel, verborgene Klänge freizulegen, seinen eigenen Sound zu finden. „Ich habe mich gefragt, wie diese Wörter klingen, wenn ich sie mit meinem Gefühl von Jazz verbinde. Es ging mit also darum, den Klang der deutschen Sprache an die Jazzmusik anzulegen und sie in ihr umzusetzen“, fasst Bleese den kreativen Prozess zusammen.
Wirklich zum Leben erwachen die Stücke aber erst im Trio-Kontext. Für den Pianisten sind seine beiden Spielgefährten wichtige Katalysatoren, die die Kompositionen mit eigenen Ideen und Akzenten veredeln. „Das ist wie in der restlichen Arbeitswelt auch. Flache Hierachien fördern Eigenverantwortung und Initiative, das Ganze wird mehr als die Summe der Teile“, so Bassist Potratz zur Philosophie des Trios.

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